Discussion:
Krankheit bei Schichtarbeitern
(zu alt für eine Antwort)
Volker Englisch
2017-04-06 08:54:06 UTC
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Raw Message
Ich hatte gerade eine Diskussion über die Zeitberechnung bei
Schichtarbeitern im Falle von Krankheit. Gegeben sei als Beispiel:

Der Mitarbeiter hat eine tägliche Soll-Arbeitszeit von 4:00 Stunden. Im
Dienstplan ist er wie folgt geplant (Ausschnitt aus März):

Ist Soll Saldo
Übertrag 0:00
Montag Schicht (8:30 lang) 8:00 4:00 4:00
Dienstag Freier Tag 0:00 4:00 0:00
Mittwoch Schicht (2:00 lang) 2:00 4:00 -2:00

Nun wird dieser Mitarbeiter krank. Folgende zwei Szenarien werden nun
diskutiert:

Ist Soll Saldo
Übertrag 0:00
Montag K Schicht (8:30 lang) 4:00 4:00 0:00
Dienstag K Freier Tag 4:00 4:00 0:00
Mittwoch K Schicht (2:00 lang) 4:00 4:00 0:00

oder

Ist Soll Saldo
Übertrag 0:00
Montag K Schicht (8:30 lang) 8:00 4:00 4:00
Dienstag K Freier Tag 0:00 4:00 0:00
Mittwoch K Schicht (2:00 lang) 2:00 4:00 -2:00

Bei Krankheit muss der Mitarbeiter ja so gestellt werden, als habe er
gearbeitet. Das spräche m.E. für die zweite Variante - der Mitarbeiter
hat nach der Krankheit 2 Minusstunden, die er auch gehabt hätte, wenn
er gearbeitet hätte. Unser Personalrat ist aber der Meinung, es dürften
während einer Krankheit weder Plus- noch Minusstunden entstehen, somit
wäre Variante 1 richtig.

Meinungen dazu?

Viele Grüße
V*
Achim Bohl
2017-04-06 11:30:34 UTC
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Raw Message
Moin
Post by Volker Englisch
Ich hatte gerade eine Diskussion über die Zeitberechnung bei
Der Mitarbeiter hat eine tägliche Soll-Arbeitszeit von 4:00 Stunden. Im
Ist Soll Saldo
Übertrag 0:00
Montag Schicht (8:30 lang) 8:00 4:00 4:00
Dienstag Freier Tag 0:00 4:00 0:00
Mittwoch Schicht (2:00 lang) 2:00 4:00 -2:00
Nun wird dieser Mitarbeiter krank. Folgende zwei Szenarien werden nun
Ist Soll Saldo
Übertrag 0:00
Montag K Schicht (8:30 lang) 4:00 4:00 0:00
Dienstag K Freier Tag 4:00 4:00 0:00
Mittwoch K Schicht (2:00 lang) 4:00 4:00 0:00
oder
Ist Soll Saldo
Übertrag 0:00
Montag K Schicht (8:30 lang) 8:00 4:00 4:00
Dienstag K Freier Tag 0:00 4:00 0:00
Mittwoch K Schicht (2:00 lang) 2:00 4:00 -2:00
Bei Krankheit muss der Mitarbeiter ja so gestellt werden, als habe er
gearbeitet. Das spräche m.E. für die zweite Variante - der Mitarbeiter
hat nach der Krankheit 2 Minusstunden, die er auch gehabt hätte, wenn
er gearbeitet hätte. Unser Personalrat ist aber der Meinung, es dürften
während einer Krankheit weder Plus- noch Minusstunden entstehen, somit
wäre Variante 1 richtig.
Meinungen dazu?
Ja.
Aufgrund eigener Schichtarbeit und verantwortlicher Schicht-Einteilung
und späterer (verantwortliche) Berechnung von Arbeitszeitmodellen unter
Berücksichtigung des TVÖD, des AZG und der europäischen Richtlinie:

Ihr habt einen guten und wissenden Betriebsrat.

Und ja, das Modell 1 ist richtig. Ebenfalls die Argumentation.
Geplante Sollschichten gelten als geleistet, egal, ob Krank oder Urlaub.

Haben "wir" auch 25 jahre so gehandhabt.



Gruss,

Achim
Volker Englisch
2017-04-06 15:48:40 UTC
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Raw Message
Hallo!

... und danke für Deine Einschätzung.
Post by Achim Bohl
Post by Volker Englisch
Ich hatte gerade eine Diskussion über die Zeitberechnung bei
Der Mitarbeiter hat eine tägliche Soll-Arbeitszeit von 4:00 Stunden. Im
Ist Soll Saldo
Übertrag 0:00
Montag Schicht (8:30 lang) 8:00 4:00 4:00
Dienstag Freier Tag 0:00 4:00 0:00
Mittwoch Schicht (2:00 lang) 2:00 4:00 -2:00
Nun wird dieser Mitarbeiter krank. Folgende zwei Szenarien werden nun
Ist Soll Saldo
Übertrag 0:00
Montag K Schicht (8:30 lang) 4:00 4:00 0:00
Dienstag K Freier Tag 4:00 4:00 0:00
Mittwoch K Schicht (2:00 lang) 4:00 4:00 0:00
oder
Ist Soll Saldo
Übertrag 0:00
Montag K Schicht (8:30 lang) 8:00 4:00 4:00
Dienstag K Freier Tag 0:00 4:00 0:00
Mittwoch K Schicht (2:00 lang) 2:00 4:00 -2:00
Bei Krankheit muss der Mitarbeiter ja so gestellt werden, als habe er
gearbeitet. Das spräche m.E. für die zweite Variante - der Mitarbeiter
hat nach der Krankheit 2 Minusstunden, die er auch gehabt hätte, wenn
er gearbeitet hätte. Unser Personalrat ist aber der Meinung, es dürften
während einer Krankheit weder Plus- noch Minusstunden entstehen, somit
wäre Variante 1 richtig.
Ihr habt einen guten und wissenden Betriebsrat.
Danke, werde ich bei Gelegenheit weitergeben :-)
Post by Achim Bohl
Und ja, das Modell 1 ist richtig. Ebenfalls die Argumentation.
Geplante Sollschichten gelten als geleistet, egal, ob Krank oder Urlaub.
Und genau da habe ich das Verständnisproblem. Wenn der MA am Montag
eine Schicht von 8 Stunden geplant hatte (ohne Pause) und krank wird,
müßte er dann nicht für diesen Tag auch bei Krankheit 8 Stunden
gutgeschrieben bekommen?

Was im Gegenzug bedeuten würde, er bekäme für den Dienstag nichts, da
freier Tag.

Viele Grüße
Volker
Thomas Hochstein
2017-04-07 14:16:39 UTC
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Raw Message
Post by Achim Bohl
Und ja, das Modell 1 ist richtig. Ebenfalls die Argumentation.
Geplante Sollschichten gelten als geleistet, egal, ob Krank oder Urlaub.
Das ist im Modell 1 aber gerade nicht der Fall: da werden nicht die
Sollschichten als "geleistet" gerechnet, sondern - ungeachtet des
Dienstplans - 4 Stunden pro Tag. Das ist hier günstiger, weil der
Arbeitnehmer nach Dienstplan 2 Minusstunden hätte - es kann aber auch
ungünstiger sein, wenn der Arbeitnehmer nach Dienstplan auf
Plusstunden käme, die er dann wegen Krankheit nicht erhält, also
nachleisten muss.

Insofern verstehe ich Dein Argument nicht so ganz.
Achim Bohl
2017-04-08 08:35:19 UTC
Permalink
Raw Message
Moin,
Post by Thomas Hochstein
Post by Achim Bohl
Und ja, das Modell 1 ist richtig. Ebenfalls die Argumentation.
Geplante Sollschichten gelten als geleistet, egal, ob Krank oder Urlaub.
Das ist im Modell 1 aber gerade nicht der Fall: da werden nicht die
Sollschichten als "geleistet" gerechnet, sondern - ungeachtet des
Dienstplans - 4 Stunden pro Tag. Das ist hier günstiger, weil der
4 Stunden pro Tag sind die Sollstunden. Verstehe ich zumindest so.
Tatsächlich werden sie gemäß Dienstplan anders geleistet. 1*8h, 1*0h.
Bei Urlaub/Krankheit zählt aber der Sollplan, nicht der Dienstplan.
Post by Thomas Hochstein
Arbeitnehmer nach Dienstplan 2 Minusstunden hätte - es kann aber auch
ungünstiger sein, wenn der Arbeitnehmer nach Dienstplan auf
Plusstunden käme, die er dann wegen Krankheit nicht erhält, also
nachleisten muss.
Da bei Krankheit und Urlaub nicht der Dienst- sondern der SOLL-Plan
rechnet ist das unerheblich.
Post by Thomas Hochstein
Insofern verstehe ich Dein Argument nicht so ganz.
Ich versuche gerade zu verstehen, wo wir uns nicht verstehen.
Sollte es an ungeklärten Begrifflichkeiten liegen?
Und um es ziemlich sicher zu klären, wäre auch der Arbeitsvertrag
hilfreich...ich habe da tatsächlich schon sehr seltsame Konstukte gesehen.


Gruss,

Achim
Frank Kozuschnik
2017-04-08 09:51:39 UTC
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Raw Message
Post by Achim Bohl
Post by Thomas Hochstein
Post by Achim Bohl
Und ja, das Modell 1 ist richtig. Ebenfalls die Argumentation.
Geplante Sollschichten gelten als geleistet, egal, ob Krank oder Urlaub.
Im Modell 1 werden aber gerade nicht die geplanten Sollschichten
gutgeschrieben, sondern die durchschnittliche regelmäßige Soll-Arbeitszeit.
Post by Achim Bohl
Post by Thomas Hochstein
Das ist im Modell 1 aber gerade nicht der Fall: da werden nicht die
Sollschichten als "geleistet" gerechnet, sondern - ungeachtet des
Dienstplans - 4 Stunden pro Tag. Das ist hier günstiger, weil der
4 Stunden pro Tag sind die Sollstunden. Verstehe ich zumindest so.
Die durchschnittliche regelmäßige Soll-Arbeitszeit beträgt 4 Stunden pro
Tag. Der Arbeitnehmer schuldet aber nicht jeden Tag 4 Stunden Arbeit,
sondern er schuldet die Arbeit so, wie sie sich aus dem Dienstplan ergibt.
Post by Achim Bohl
Tatsächlich werden sie gemäß Dienstplan anders geleistet. 1*8h, 1*0h.
Bei Urlaub/Krankheit zählt aber der Sollplan, nicht der Dienstplan.
Der "Sollplan" ist aber kein Plan, sondern nur eine abstrakte
durchschnittliche Arbeitszeit. Bei Schichtarbeit konkretisiert der
Arbeitgeber die genaue Verteilung der Arbeitszeit, indem er dem
Arbeitnehmer den Schichtplan bekannt gibt. Wird der Arbeitnehmer dann
krank, hat der Arbeitgeber den Lohn weiter so zu zahlen, als hätte der
Arbeitnehmer die geplanten Schichten dennoch gearbeitet. Für die
Zeitgutschriften gilt das entsprechend.

BAG, 26.06.2002, 5 AZR 5/01:

"Sollte der Kläger schichtplanmäßig eingesetzt gewesen sein und während
der Zeit der Arbeitsunfähigkeit ein für ihn geltender Schichtplan
bestanden haben, bestimmte sich der Zeitfaktor des fortzuzahlenden
Entgelts nach den tatsächlich ausgefallenen Arbeitsstunden."

LAG Köln, 22.11.2012, Az. 6 Sa 701/12:

"War der Arbeitnehmer für die Zeit der krankheitsbedingten
Arbeitsunfähigkeit in einem Schichtplan zur Arbeit eingeteilt, dann ist
ein Arbeitszeitkonto entsprechend den Einsätzen, die der Arbeitnehmer
nach dem Schichtplan zu leisten gehabt hätte, fortzuführen."
Volker Englisch
2017-04-08 16:25:00 UTC
Permalink
Raw Message
Post by Frank Kozuschnik
Post by Achim Bohl
Post by Thomas Hochstein
Post by Achim Bohl
Und ja, das Modell 1 ist richtig. Ebenfalls die Argumentation.
Geplante Sollschichten gelten als geleistet, egal, ob Krank oder Urlaub.
Im Modell 1 werden aber gerade nicht die geplanten Sollschichten
gutgeschrieben, sondern die durchschnittliche regelmäßige Soll-Arbeitszeit.
Richtig.
Post by Frank Kozuschnik
Post by Achim Bohl
Post by Thomas Hochstein
Das ist im Modell 1 aber gerade nicht der Fall: da werden nicht die
Sollschichten als "geleistet" gerechnet, sondern - ungeachtet des
Dienstplans - 4 Stunden pro Tag. Das ist hier günstiger, weil der
4 Stunden pro Tag sind die Sollstunden. Verstehe ich zumindest so.
Richtig.
Post by Frank Kozuschnik
Die durchschnittliche regelmäßige Soll-Arbeitszeit beträgt 4 Stunden pro
Tag. Der Arbeitnehmer schuldet aber nicht jeden Tag 4 Stunden Arbeit,
sondern er schuldet die Arbeit so, wie sie sich aus dem Dienstplan ergibt.
Post by Achim Bohl
Tatsächlich werden sie gemäß Dienstplan anders geleistet. 1*8h, 1*0h.
Bei Urlaub/Krankheit zählt aber der Sollplan, nicht der Dienstplan.
Der "Sollplan" ist aber kein Plan, sondern nur eine abstrakte
durchschnittliche Arbeitszeit.
[...]
Herzlichen Dank, vor allem auch für die Fundstellen!

Volker, der happy ist, dass sein Rechtsempfinden doch noch funktioniert
;-)
Thomas Hochstein
2017-04-09 19:02:13 UTC
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Raw Message
Post by Frank Kozuschnik
Der "Sollplan" ist aber kein Plan, sondern nur eine abstrakte
durchschnittliche Arbeitszeit. Bei Schichtarbeit konkretisiert der
Arbeitgeber die genaue Verteilung der Arbeitszeit, indem er dem
Arbeitnehmer den Schichtplan bekannt gibt. Wird der Arbeitnehmer dann
krank, hat der Arbeitgeber den Lohn weiter so zu zahlen, als hätte der
Arbeitnehmer die geplanten Schichten dennoch gearbeitet. Für die
Zeitgutschriften gilt das entsprechend.
Das würde ich für naheliegend halten, ja.
[...]
[...]

Ganz herzlichen Dank!

-thh

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